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Dr. Ludwig Schnurrer: „Völlig neuer Blick auf Topplers Lebensleistung“. Foto: Schäfer

Überraschend neue Erkenntnisse über Rothenburgs großen Bürgermeister Heinrich Toppler

Eine Verwechslung aufgedeckt

ROTHENBURG – „Unqualifiziertes Geschwätz“ ist nach Auffassung des Historikers Dr. Ludwig Schnurrer der Beitrag über Heinrich Toppler im Online-Lexikon „Wikipedia“, in der sich „eine Menge unbedarfter Dilettanten“, aber auch offenbar einige ernsthafte Historiker mit dem ehemaligen Rothenburger Bürgermeisters beschäftigen. Umso wichtiger sei es im Toppler-Gedenkjahr, bei den „Fakten“ zu bleiben.
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Mit seinem Vortrag „Neues von Heinrich Toppler“ aus bisher unbekannten oder noch nicht veröffentlichten Quellen sorgte der Historiker am Freitagabend für eine vollbesetzte „Glocken“-Kelter – zur Freude des Veranstalters Alt-Rothenburg. Topplers „Flegeljahre“, also die Zeitspanne zwischen 1364 und 1370, beleuchtete Schnurrer, denn sie trugen „nicht wenig zum Verständnis seines späteren glänzenden und verhängnisvollen Lebensweges bei.“ Die Überraschung seiner umfangreichen Recherchen: Der etwa 17- bis 18-jährige Heinrich Toppler heiratete nicht etwa Barbara Wernitzer, wie bisher angenommen wurde, sondern die Tochter des Siegfried Spengler. Der war freilich nicht irgendwer, sondern Mitglied des regierenden Rats, Besitzer einer Mühle an der Schandtauber und Bezieher von grundherrschaftlichen Einkünften (unter anderem in Lohr, Diebach und Wolfsbuch). Die Mutter seiner jungen Ehefrau, Katharina Reinfrau, war Alleinerbin und anschließend zusätzliche Vermehrerin eines großen, durch Handel erworbenen Vermögens. In Steuerlisten tauchte sie an der Spitze der Steuerzahler auf. Ihrer Tochter vermachte sie einen beträchtlichen Teil des Vermögens, das damit auch Heinrich Toppler zugute kam und ein Stück weit seine fast unglaubliche Finanzkraft erklärt, mit der er seine riesige Grundherrschaft zusammenkaufte, so Schnurrer.

Der Aufstieg vom durchschnittlich wohlhabenden Bürger zum Finanzriesen wurde bisher mit der angeblichen Eheverbindung Topplers mit einer Erbtochter des schwerreichen Patriziers Konrad Wernitzer erklärt. Aber eine Barbara Wernitzer ist um diese Zeit überhaupt nicht nachweisbar. Der Name Barbara Wernitzer sei eine Fiktion oder eine Vermutung in sehr unzuverlässigen späteren Aufzeichnungen der Nürnberger Topplersippe, die Martin Schütz ungeprüft übernommen habe.

Lange Lehrzeit

Barbara Wernitzer begleitete den Aufstieg ihres Mannes bis zum großen Städtekrieg von 1388. Kurz danach starb sie. 1392 heiratete Heinrich Toppler Margaretha Meyler von Nördlingen. Eine dritte Ehe sei auszuschließen. Weiter fand Schnurrer heraus, dass Toppler zu der Zeit offenbar noch ohne jede handwerkliche Ausbildung war. Im Gegensatz zu seinem gleichnamigen Vetter, der sich, um Verwechslungen zu vermeiden, stets mit „Heinrich Toppler Goldschmied“ bezeichnete. Heinrich Toppler war neben seiner Tätigkeit im Dienste der Stadt Gastwirt und Gutsverwalter – mit einem ganz besonderen Zuschnitt. Darauf deutet der aufwändig und umständlich formulierte Lehrvertrag hin und die außergewöhnlich lange Lehrzeit von sechs Jahren.

Toppler hatte schon damals weitfliegende Pläne, die ihn häufig von seinen bürgerlichen Geschäften fernhielten. Genau ein Jahr nach dem Lehrkontrakt, 1370, begann nun tatsächlich, die bis zu seinem Tode 1408 ununterbrochene, dichte Reihe von urkundlichen und sonstigen quellenmäßig gesicherten Belegen: seine Karriere nahm ihren Lauf.

Zum Topplerhaus in der Oberen Schmiedgasse fand Schnurrer heraus, dass es nach dem Tod von Heinrich Topplers Vaters Konrad im Jahr 1364 an Heinrichs Schwester Margret fiel. Bis zu diesem Zeitpunkt war es offenbar ein reines Wohnhaus, kein Gasthaus und schon gar nicht das Haus zum „Güldenen Greifen“. Wann es, auf welche Weise auch immer, in Heinrichs Besitz kam, ist nicht überliefert. Schnurrer vermutet, dass es schon bald nach 1370 geschah, als seine Laufbahn als Wirtschafter begann und er wahrscheinlich das Haus zu einem Gasthaus ausbaute.

Ein gut geführtes, an einer bevorzugten Stelle in unmittelbarer Nähe zu Rathaus und Marktplatz gelegenes Gasthaus konnte eine „Goldgrube“ sein, zumal wenn ein Gutteil der darin angebotenen Getränke und Viktualien aus seiner eigenen Landwirtschaft und noch mehr aus seiner stetig wachsenden Grundherrschaft stammte. Schließlich wurde das Topplerhaus umgebaut und durch ein Nebenhaus erweitert. 1398 kaufte Heinrich Toppler das Haus des Heinz Sattler neben dem seinigen aus einer Pfandmasse zum Spottpreis von 30 Gulden. Zwei weitere Neben- oder Hinterhäuser wurden mit einem Stadel und der Durchfahrt zusammengebaut.

Schließlich rundete ein großer landwirtschaftlicher Bauhof den impossanten Topplerschen Baubestand ab. Der weitläufige Komplex lag offenbar in der Unteren Schmiedgasse, nahe der Stadtmauer, denn 1406 wird ein Turm bei Heinrich Topplers Hof erwähnt. Der Hausname „Güldene Greif“ tauchte erstmals in Heinrich Topplers Testament von 1405 auf. Schnurrer ist überzeugt, dass er ihn selbst gewählt hat als Ausdruck seines Stolzes und seines Selbstbewusstseins. sis

sis, 11.02.2008

 
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Café und Tanz
Im Wildbad verbinden sich am Sonntag, 14. April, wieder Café und Tanz. Dieses Mal stehen Tänze zu Musik aus Israel im Mittelpunkt. Im gemeinschaftlichen und religiösen Leben des jüdischen Volkes wird der Tanz seit biblischen Zeiten als Ausdruck der Freude betrachtet. Die Tänze stehen meist im Zusammenhang mit beliebten israelischen Liedern. Sie zeichnen sich durch eine große Vielfalt von Formen und Schritten aus. Im Rokokosaal des Wildbads gibt es am 14. April Gelegenheit, mehr über Musik und Tänze in Israel zu erfahren und gemeinsam mit der Nürnberger Tanzpädagogin Marion Vetter einfache Kreistänze kennenzulernen.

110 Jahre SPD
Der SPD-Ortsverein Rothenburg feiert am Samstag, 20. April, um 19 Uhr im Gasthof „Ochsen“ sein 110-jähriges Bestehen. Als Ortsverein der ältesten demokratischen Partei Deutschlands blickt er stolz auf eine mittlerweile 110-jährige Tradition in Rothenburg zurück. „Das Engagement der Mitglieder, Stadträtinnen und Stadträte, die Oberbürgermeister Friedrich Hörner, Alfred Ledertheil und Herbert Hachtel haben in hohem Maße die Entwicklung unserer schönen Stadt geprägt und den SPD-Ortsverein zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens gemacht“, so der Vorsitzende und Stadtrat Günther Schuster.


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