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Der geladene Gästekreis bei der kleinen Eröffnungsfeier im Handwerkerkabinett des Reichsstadtmuseums. Foto: Schäfer

Zusammenarbeit von Kultur und Wirtschaft fördert Kulturtourismus

Voneinander profitieren

ROTHENBURG – Die Verbindung Kultur und Wirtschaft ist ein wichtiger Faktor, um Kulturmanagement und Kulturtourismus auszubauen. Von einer engeren Zusammenarbeit können Wirtschaftsunternehmen und Kulturinstitutionen profitieren.

Jüngstes Beispiel: Die Eröffnungsfeier am Donnerstagabend in der erweiterten Mühlen- und Weinbau­abteilung des Reichsstadtmuseums war kombiniert mit einem kleinen Weinseminar von Rothenburgs einzigem Weinbaubetrieb und der Verkostung historischer Rebsorten. Von Klarinettist Wolfgang „Muffel“ Weth mit passenden Musikstücken umrahmt.

Der Weinbau mit seinen Berufsgruppen gab einstmals in Rothenburg vielen Menschen Brot, erläuterte Winzer Karl Thürauf. Da waren die Hecker, die Bütt­ner oder „Kieffer“, die den Weinbau besorgten und Fässer und viele andere Behältnisse herstellten. Die Arbeit der Weinschröter besorgte das Verbringen voller Fässer aus oder in die Keller sowie das Be- und Entladen. Die Verwaltungstätigkeit der Visierer steht für Wertermittlung des Weins für Steuern, Abgaben, Zölle, wie auch für Qualitäts­kontrolle. Flächenermittlung vor Einführung moderner Meßtechnik war eine weitere Aufgabe. Da waren schließlich die Weinhändler aus patrizischen Kreisen, vielfach auch schwungvolle Heckenwirtschaften be­trei­bend.

Der Weinbau in Rothenburg ist viel älter als die Stadt. Urkundlich mit Orts­angabe „Steinach“ (für Steinbach) ist Rothenburgs Weinbau als ältester Mittelfrankens erstmals 912 erwähnt. Vier Klöster und mehrere Wallfahrten för­der­ten den Weinbau. In der Zeit ohne Arbeit im Wengert betätigten sich die taglöhnenden Hecker als Steinbrecher des hochwertigen Quaderkalk-Werksteines auf oder unter der Erde in den Stollen der Klinge.

Die wachsende Zahl Lärm und Rauch verursachender Holzküfer wurde vor die erste Stadtmauer in die „Büttnergasse“ umgesiedelt, noch vor 1400. Mitte des 19. Jahrhunderts wird aus der Büttnergasse der „Alte Stadtgraben“, an dessen unterem Ende die Eich liegt. Dort wurden von Eichern die Inhalte von Fässern festgestellt und graviert.

Auch Artenschutz gab es damals schon, berichtete Karl Thürauf. 1584 wurde der „Gänsfüßer“, beste Rot­weinrebe des Mittelalters, unter Schutz gestellt, erst vom Pfalzgrafen, dann auch durch den Kaiser. 1487, am Montag nach Michaeli, im Anschluss an den Reichstag in Nürnberg, traten die Gesandten der Weinbau treibenden Länder des Reiches in Rothenburg zusammen und beschlossenen einen sogenannten Reichsabschied, der den Umgang mit Wein regelte – Gebote und Verbote. Durch Unterzeichnung Friedrich III. erlangte der Beschluss Gesetzeskraft. Der letzte Rothenburger Winzer bis etwa 1918/1920 laut Karl Heller war – vor dem Neubeginn 1999 – Johann Ploß.

In der Ausstellung stehen elementare Geräte wie „Karst“ (einfache Weinhacke), Kelter, Stitze, Flasche, „Römer“-Glas und Schmuckvolles bis zum Mündener Faßreiter. Die Gegenstände illustrieren die reiche Ge­schichte des Weinbaus in Rothenburg. Die Winzerfamilie Thürauf selbst trug einen erheblichen Teil dazu bei, dass die ganze Bandbreite des Reben­anbaus und der -verwertung gezeigt werden kann.

Das Reichsstadtmuseum selbst besitzt sogar ein Rebmesser aus der Topplerzeit (mit der Jahreszahl 1405), was die lange Tradition des Weinbaus in Rothenburg eindrucksvoll belegt. Auch der langjährige Hauptmäzen des Museums, Herrmann Baumann, steuerte wieder einen Anteil an der Attraktivi­tät des Gezeigten bei. Ein zinnerner Zunftpokal der Mühlradbauer von 1744 eröffnet schlagartig die Bedeutung dieses Berufszweigs. Diese Fachleute waren gesucht und wurden hochbezahlt, weshalb die Gestaltung sehr aufwändig ausfiel.

Nicht ohne Stolz präsentiert das Gefäß mit einem emblematischen Wappenhalter ein Kammrad, das Richt­scheit und den Zirkel als Zeichen der Fähigkeiten seiner Besitzer. Dieses Handwerkszeichen ist auch auf einem großen eichernen Fassbodenrest zu sehen, was wiederum den Wohlstand des ehemaligen Besitzers signalisiert.

Umbaumaßnahmen im Museum waren diesmal nicht vonnöten. Eine neue Vitrine wurde vom hiesigen Handwerk kostengünstig hergestellt. Nachdem das religiöse Kabinett, das sich bis dato noch an der Stelle befand, in die restaurierte Sakristei verlegt wurde, war der Raum frei für die Erweiterung der Handwerksgeschichte.
Von dieser besitzt das Reichsstadtmuseum einige interessante bis einmalige Exponate wie das Mühlenmodell aus der Brudermühle von 1782, das der Verein Alt-Rothenburg schon vor vielen Jahrzehnten erworben hat. Es schlummerte bisher noch, wie auch die Handwerkslade der Müller, im Depot und ist nun für Interessenten – die häufig am Internationalen Mühlentag (heuer am 24. Mai) kommen – zu sehen.

Der Rothenburger Mühlenweg findet dadurch eine Bereicherung, wodurch andererseits weitere Besuchergruppen für das Museum erschlossen werden können. Dasselbe gilt auch für die Geschichte des Weinbaus, in Ver­bindung mit der Gastronomie.

Weinbau in Rothenburg – das ist auch heute Erzeugung und Verbrauch. Der Weinbaubetrieb Thürauf praktiziert beides mit Überzeugung. Zusätz­lich bereichert er mit seiner interessanten Veranstaltungsreihe „Kleines Weinseminar“, die seit September 1991 wöchentlich in nahtloser Folge statt­findet, das städtische Kulturangebot. Die 905. Auflage wurde vom Johanniterhof ins Reichs­stadtmuseum verlegt. Karl Thürauf dankte Oberbür­germeister Walter Hartl für die Einbindung in die kleine Eröffnungsfeier im Handwerkerkabinett.

sis, 22.03.2010


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