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Die Villa F in Uffenheim ist Vorzeigestück des Architektur-Büros von Martin Schroth. Foto: Philipp Brohl

Junger Architekt aus Rothenburg freut sich über einen geradezu sensationellen Erfolg

Mit Sehnsucht bei der Biennale

ROTHENBURG – Im hiesigen Bereich ist der Architekt Martin Schroth (35) mit kleinem Büro in Rothenburg noch relativ unbekannt. Jetzt kann er auf internationaler Ebene mit einem umso bemerkenswerteren Erfolg aufwarten. Bei der 12. Architekturbiennale in Venedig darf er noch bis zum 21. November in einem Gemeinschaftsbeitrag mit 181 anderen zeitgenössischen Architekten im roten Salon des deutschen Pavillons unter dem Titel „Sehnsucht“ seine architektonische Sehnsucht offenlegen.

Es ist eine verwegene und sich dem Licht entgegenschraubende räumliche Figur, die er da in einer Handskizze aufs Blatt gezaubert hat an jenem 28. Mai dieses Jahres, kurz nachdem er von der für den deutschen Beitrag mit zuständigen Generalkommissarin Cordula Rau aus dem renommierten Büro „Walverwandtschaften München Zürich Boston“ um einen Beitrag gebeten worden war. Die Zeichnung wird, wie die Werke der anderen, im Roten Salon gezeigt, der als Hauptraum im Pavillon die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Martin und Melanie Schroth. Foto: Jann Döppert

Der junge Planer hatte auf sich aufmerksam gemacht. Besonders durch die von ihm entworfene, vor kurzem erst fertiggestellte und zum Vorzeigestück gewordene Villa F in Uffenheim. Hier hat Martin Schroth umsetzen dürfen, was für ihn zu einem wichtigen Grundsatz seiner Arbeit und seiner Auffassung von Architektur geworden ist: In erster Linie den Raum im Blick haben und die Kontur unterzuordnen. Mit diesem Verständnis lässt sich, wie dieses Beispiel zeigt, entwerfen und konstruieren – und wie!

Dass er bei einer solch angesehenen Veranstaltung wie bei der Architekturbiennale einen Beitrag leisten darf, macht Martin Schroth stolz. Erst recht, dass er gleich im Hauptraum des deutschen Beitrags landet. Die Wandoberflächen sowie die Möbel dort sind mit roten Textilien weich bekleidet und verleihen ihm einen wohnlichen Charak­ter. Bequeme mobile Sessel, 50 an der Zahl, laden zum Verweilen ein. An den Wänden: die hochwertig mit dunklem Holz gerahmten Handskizzen architektonischer Sehnsüchte.

Als „Panorama der Sensibilität“ sollen sie, so haben es die Macher angedacht, die aktuellen Architekturschaffenden zum Gespräch über persönliche Sehnsüchte anregen. „Akustische Tonspuren, orientiert an Goethes Italienreise, machen über den Hörsinn abwesende Räume und Orte ganz unmittelbar sinnlich erfahrbar“, heißt es im Konzept zur Ausstellung.

Mit dem Thema „Sehnsucht“ wird im deutschen Pavillon der Biennale 2010 „eine grundlegende emotionale Triebfeder architektonischen Handelns“ herausgestrichen. Der Schwerpunkt liegt auf der „direkten sinnlichen Vermittlung“ abseits stellvertretender Modelle, Pläne oder Fotografien.

Den Hauptraum, der als Ort der Anregungen, der Inspiration, des persönlichen Austausches, aber auch der möglicherweise kontroversen Debatten gedacht ist, ergänzen fünf Themenkabinette. Auf dem als Empfangsraum fungierenden Portikus zieht ein über acht Meter hoher umlaufender Vorhang zwischen den Pfeilern die Blicke auf sich. Der Spiegelsaal stellt durch das System der Vervielfachung den Betrachter in den Mittelpunkt und rückt ihn ganz bewusst an die Stelle von architektonischen Attributen wie Plänen, Fotos und Modellen.

Ein „Zimmer mit Aussicht“ der weißen Wände erzeugt Sehnsucht. Der Blick wird dort gelenkt auf die Lagune Venedigs als romantisch inszenierten Aussichtsplatz. Nächtliche Schwärze empfängt den Besucher im anderen Kabinett. Ein abgewandt in einer Ecke stehender Schrank birgt ein „Geheimnis“: ein ins Licht getauchtes Modell, das sich als leicht verfremdetes Abbild des deutschen Pavillons entpuppt. Im großen Kabinett sind Worte und Texte in Beziehung gesetzt zu einer künstlerischen Projektion der überlagerten Farbstimmung in dezenten Tönen.

„Das Interesse meiner Generation an interaktiven Prozessen fü̈hrt heute in der architektonischen Praxis zu Raumkonzepten, die Raumgrenzen und deren Organisationspotentiale neu ausloten. Eine Sehnsucht nach vielschichtigen Funktionen fü̈hrt zu neuen Ordnungsprinzipien, die mit digitalen Methoden in Echtzeit test- und erfahrbar sind,“ betont der ambitionierte Architekt, für den das dreidimensionale Denken und Konstruieren mit dem Computer die Türen aufgestoßen hat in eine neue und überaus interessante Welt des Zusammenspiels von Raum, Licht und Form: „Der Ü̈bergang von rä̈umlichen Grenzen durch interaktive Möglichkeiten der Verbindung, Vernetzung oder Vermittlung erzeugt nach seiner Überzeugung wechselseitige Beziehungsverhä̈ltnisse, die Ausmaß und Ausdehnung der Raumgrenzen an die Bedü̈rfnisse ausrichten und diese nicht eingrenzen.“

Martin Schroth versteht sich als ein nach modernen Ansätzen arbeitender Vertreter seines Berufsstandes mit künstlerischem Anspruch. Gute Architektur ist für ihn ein wichtiger kultureller Beitrag und ein wichtiges Instrument zur Kommunikation nach außen und damit „Medium einer gezielten Botschaft“, gibt er zu verstehen. Sein Büro im Herterichweg, in dem er mit seiner Frau Melanie Schroth (einer gebürtigen Spielbacherin, die ebenfalls Architektin der digitalen Schule ist) und zwei Freien (Bautechniker und Bauzeichner) zusammenarbeitet, möchte Häuser zum Erleben schaffen, in denen man gleichzeitig wohnen, ausstellen und sich versammeln kann.

Er brennt richtig darauf, hier in Rothenburg und Umgebung Akzente zu setzen. Mit dem von ihm geplanten und 2007/2008 verwirklichten Neubau der Freikirchlichen Gemeinde in der Schweinsdorfer Straße hat er bereits ein ansprechendes Beispiel geschaffen.

Gutes räumliches Vorstellungsvermögen ist sein Kapital. Eine Lehre als Industriemechaniker ganz am Anfang seiner beruflichen Laufbahn dürfte sicher dazu beigetragen haben, dass er diese wichtige Voraussetzung für sein Schaffen schulen und weiterentwickeln konnte. Die Zeit als Zivildienstleistender im „Haus der Musik“ in Weikersheim hat ihn, der im Niederstettener Ortsteil Dunzendorf und damit mitten hinein in die Bodenständigkeit des Hohenloher Landes geboren wurde, mit Künstlern zusammengebracht und ihm gerade in dieser Hinsicht wichtige Impulse gegeben.

Nach dem Studium und Diplom an der Fachhochschule Biberach das Postgraduierten-Studium schloss er an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Städelschule in Frankfurt am Main zum Master in Arts in Advanced Architectural Design ab. Vor der Gründung seines eigenen Büros 2006 hat er in den Büros Behnisch, Behnisch und Partner und Kauffmann, Theilig und Partner in Stuttgart gearbeitet. Nach Lehrerfahrung an der Technischen Universität Kaiserslautern ist er seit Mai 2007 Künstlerischer Mitarbeiter an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart im Lehrgebiet für Digitales Entwerfen, Architektur/Innovative Bau- und Raumkonzepte von Professor Tobias Wallisser.

Mithilfe digitaler Werkzeuge lassen sich heute interaktive Konzepte, basierend auf den Prinzipien der Natur, problemlos steuern und programmieren. „Intelligente Materialien, innovative Verarbeitungsmethoden und eine präzise CNC-Fertigung erzeugen neue strukturelle Freiheiten und verwischen zusehends die Grenzen zwischen Raum, Mensch und Natur“, sagt Martin Schroth und freut sich über die Entwicklung auf dem EDV-Sektor: „Mit der Erinnerung an den legendä̈ren C64, dem informationstechnischen Medium der 80-er, sind bei vielen in meiner Generation phantastische Erinnerungen verbunden.

Die erste Generation, die mit einem Personalcomputer aufwuchs, sammelte frü̈h Erfahrungen mit einem damals neuen digitalen Medium, was sich spä̈ter als profunde und ausbaufä̈hige Basis herausstellte fü̈r den Umgang mit CNC-gesteuerten Maschinen oder dem Programmieren von parametrischen Systemen“.
Natürlich wirke die Programmiersprache Basic aus heutiger Sicht begrenzt, gibt er zu bedenken.

Aber die Meldung nach dem Einschalten, das Betriebssystem sei „ready“ und das blinkende weiße Quadrat auf blauem Hintergrund hätten eine verheißungsvolle, neue, interaktive Welt der Darstellung, Steuerung und Simulation eröffnet: „Dieser Welt gelang es, die schö̈pferische Kraft und Phantasie der ,Generation C64‘ zu beflü̈geln. Die Sehnsucht nach den Potenzialen der Zukunft war erwacht und befeuerte den Glauben an grundlegend neue Strukturen in der Benutzung unserer Umwelt.“

Von techischer Schönheit

Ausgehend von der Metamorphose im Werk von D́arcy Thompson lassen sich neue und überaus interessante Welten erschließen: „dynamisch, individualisierbar und interaktiv – und von einer technischen Schö̈nheit wie das iPad.“ Dieses neueste Medium zeigt nach Martin Schroths Überzeugung, dass die zweite digitale Revolution keine Periode der Verbesserung, sondern der Restriktion sein wird: „Neue Horizonte werden erö̈ffnet, um neue dreidimensionale Atmosphä̈ren des Raumes zu schaffen.“

Die Sehnsucht nach einer ganzheitlichen Integration von komplexen Anforderungen im Entwurfsprozess werde durch neue digitale Werkzeuge erfü̈llt, die in Echtzeit eine Gleichzeitigkeit von Denken und Konstruieren mö̈glich machen. Im Rahmen dieser digitalen Praxis seien Fragen nach der Beschaffenheit von Raumgrenzen und deren Flexibilität neu verhandelbar: „Induziert durch neue Werkzeuge, welche interaktiv auf die aktuellen Anforderungen eingehen kö̈nnen, ist der Traum der Architekten nach rä̈umlicher Interaktivität nun zum Greifen nahe – und eine der Sehnsü̈chte der Generation C64 geht ihrer Erfü̈llung entgegen.“ -ww-

ww, 25.10.2010


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