ACHTUNG: Sie befinden sich auf den Archiv-Seiten des Fränkischen Anzeigers bis März 2013.
Zu den aktuellen Nachrichten gelangen Sie hier:

www.fraenkischer-anzeiger.de

Zur Startseite FRÄNKISCHER ANZEIGER
Suchen & Finden
Suche starten
Nachrichten 24.05.2016, 11:46 Uhr

Minimarkt
Minimarkt-Anzeigen des Wochenspiegels
Kleinanzeigenmarkt für Rothenburg und Umgebung

Gestrichelt (Archiv)
Veranstaltungen
Ab jetzt auf den neuen Seiten des Rothenburg Tourismus Service
Bild der Woche (Archiv)
ROTABENE Medienhaus
Aus der Rubrik Aus der Stadt
 

Verlassen steht die zum Wohnhaus ausgebaute Scheune nach dem Abriss des Mühlengebäudes da. Fotos: Weber

Stadtheimatpfleger mit Denkanstößen zur bedrohten historischen Bausubstanz

Knoll schlägt Notfallplan vor

ROTHENBURG – Wenn es Rothenburg nicht besser gelingt, seine historische Bausubstanz über die Zeit zu retten, besser sogar noch mit neuem Leben zu erfüllen, droht es seine Authentizität und seine Glaubwürdigkeit und damit auch seine Attraktivität als Touristenziel einzubüßen. Davon ist Stadt-heimatpfleger Eduard Knoll überzeugt. Er spricht von „schleichendem Verfall“ und ruft zur konzertierten Aktion auf – mit Vermittlung einsturzgefährdeter Problembauten an substanzinteressierte Käufer und mit einem Notfallfonds für die Notsicherung.

Ein kleiner Mauerrumpf erinnert daran, dass hier vor kurzem noch das altehrwürdige Hauptgebäude der Oberen Walkmühle stand. Nach dem Einsturz im Sommer sind die Reste dieses an der Tauber zwischen Haltenmühle und Schmelzmühle gelegenen Baudenkmals beseitigt worden. Viel zu gründlich, klagt Stadtheimatpfleger ­Eduard Knoll, der sich nach der insgesamt wenig rühmlichen Aufgabe des Gebäudes nun wenigstens ein sensibleres Vorgehen beim Abriss ge­wünscht hätte.

Der Fall Obere Walkmühle ist für den Stadtheimatpfleger der traurige Anlass, allgemein auf die besorgniserregende Situation gefährdeter Baudenkmäler in Rothenburg hinzuweisen. Leider müsse der zeitweilig auch öffentlich geäußerten Meinung, es stehe alles zum besten in der Stadt mit der ach so zahlreich vorhandenen alten Substanz, heftig widersprochen werden, betont er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Eduard Knoll regt Initiativen an, damit es nicht zu weiteren Verlusten wie bei der Oberen Walkmühle kommt.

Eduard Knoll geht es allerdings nicht darum, Schuldzuweisungen auszu-sprechen, wie er versichert. Obwohl er schon darauf hinweist, dass sich der Einsturz über Jahre und Jahrzehnte angekündigt hat und auf die Situation mehrfach hingewiesen wurde, unter anderem von ihm selbst. Nein, er möchte vielmehr Überlegungen unters Volk bringen, wie vergleichbare Katastrophen in Zukunft zu vermeiden sind.

Im jüngsten Einsturz sieht er einen unrühmlichen Meilenstein. Wenn sich nichts ändere sei der weitere Weg vorgezeichnet. Diese einst an Mühlen verschiedenster Art so reichen, inzwischen aber schon viel ärmer gewordenen Gegend, werde in nicht allzu langer Zeit noch mehr verlieren. Den rührigen Mühlenverein, der sich den Erhalt der Wassermühlen auf seine Fahnen geschrieben hat und als Attraktion den Mühlenwanderweg anbietet, lobt Knoll ausdrücklich und fragt: „Viel­leicht könnte dieses Engagement mit Hilfe diverser Sponsoren auch auf die verfallenden und weniger attraktiven Teile der historischen Mühlenkunst ausgeweitet werden?“

An die Stegmühle, die zwischen Fuchsmühle und Bronnenmühle an der Tauber lag, erinnern sich nur noch die älteren Rothenburger. Jetzt der Einsturz dieser im Volksmund Nagelschmiede genannten Oberen Walkmühle. Und die nächsten Pro­blempunkte zeichnen sich schon ab. Das nur noch als Torso vorhandene Nebengebäude der Hammerschmiede an der Schandtauber sinkt immer mehr in sich zusammen. Das Hauptgebäude der Bronnenmühle muss laut Knoll als baufällig bezeichnet werden.

Selbst in der Rothenburger Altstadt sieht der Architekt und beratende Ingenieur, der von der Industrie- und Handelskammer Nürnberg zum Sachverständigen für die Instandsetzung historischer Gebäude bestellt und vereidigt ist, etliche Beispiele für diesen besorgniserregenden Trend des Niedergangs. Zahlreiche Scheunen und Wohnhäuser, so zeigt er an Beispielen auf, stehen leer: „Sie sehen ihrem traurigen Ende entgegen.“ Auch Teile der Stadtmauer sind nach Knolls Einschätzung, für den Laien zwar nicht unbedingt erkennbar, in ihrer Substanz stark gefährdet, wobei er davon überzeugt ist, dass die Stadtmauer als eines der zentralen Symbole Rothenburgs noch die größte Chance habe gerettet zu werden.

Wegen der schlech-ten Haushaltslage leidet der Bauunterhalt. Die Instandhaltung wird gestreckt. Das heißt, Ausbesserungen werden so lange wie möglich hinausgeschoben. Was zur Folge hat, dass sich der Zustand verschlechtert und sich dadurch die eines Tages unausweichlichen Arbeiten noch verteuern.

Seinem Anspruch als Inbegriff der deutschen Stadt des Mittel­alters erfüllt Rothenburg nach Knolls Einschätzung heute nur noch in Teilbereichen und in zunnehmend geringerem Maß: „Das belebte Freilandmuseum Rothenburg bot kleinen und mittleren Betrieben verschiedenster Art durch den Tourismus eine sichere Existenz. Zwischenzeitlich präsentieren Freilandmuseen ihre historischen Gebäude attraktiver und authenti­scher. Didaktik für Kinder und Erwachsene nimmt einen breiten Raum ein.“

Währenddessen leiste sich Rothenburg den ­schleichenden Verlust der Originale und büße zu­nehmend seine Glaubwürdigkeit als mittelalterliche Stadt ein, betont Knoll. Die Qualität der „nachwachsenden“ Bausubstanz, also der neuzeitlichen Neu-, Um- und Einbauten sei geprägt von geschmäcklerischen Baumarktprodukten und lasse sehr zu wünschen übrig, stelle überdies keinen Ersatz dar für substanziell hochwertige, über Jahrhunderte erhaltene Gebäude mit ihrer funktionellen Bauweise und gestalterisch aussagekräftigen Formensprache.

Der Stadtheimatpfleger weist darauf hin, dass die einzeln stehenden Mühlen im Taubertal eine Ausnahme hinsichtlich des Baurechtes im Außenbereich darstellen. In diesen Lagen sei ein Neubau nicht genehmigungsfähig. Hier sei also alles über die vorhandene Subs­tanz zu lösen, was seinen Reiz habe: „Der Erhalt und die behutsame Sanierung des historischen Baubestandes außerhalb der üblichen Baugebiete, durchaus auch in Verbindung mit qualitätvollen zeitgemäßen Elementen, führt zu einem individuellen Wohnerlebnis inmitten der Natur.“
Historische Mühlen, wie beispiels-weise die inzwischen sanierte Hautschenmühle in Tauberzell, eignen sich nach Knolls Überzeugung nicht nur wegen ihrer Größe, sondern auch wegen der inneren Struktur für einen Ausbau zum Wohnhaus. Der Stadt­heimatpfleger weiß aber nur zu genau, dass „bei allen Ermahnungen zum Umgang und bei allen Ideen zum Erhalt historischer Gebäude“ sich bei we­niger vermögenden Besitzern letzt-endlich immer die Frage nach der Finanzierung stellt.

Verkauf in Schwung bringen

„Grundsätzlich gibt es immer Interessenten für historische Bauten,“ weiß er aus Erfahrung: „Bei der Verleihung des Bayerischen Denkmalschutzpreises 2010, dessen Juryvorsitz ich auch diesmal wieder übernehmen durfte, erhielten besonders gefährdete aber letztlich gerettete Baudenkmäler eine Auszeichnung.“ Die Besitzer einsturzgefährdeter Problembauten ließen in der Regel mit sich verhandeln, seien froh, dass sie „das alte Gelump“ loswerden können und kein nörgelndes Denkmalamt mehr am Hals haben. Der Verkauf sei nur eine Frage des Angebots.

Knoll schlägt vor, gefährdete Bauten auf den verschiedenen Internetplattformen anzubieten. Die seit langem existierende Seite des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege lasse sich hier gut als Einstieg verwenden. Darüber hinaus empfehle es sich, beim städtischen Internet-Auftritt eine entsprechende Seite einzurichten und beides miteinander zu verknüpfen. Neuerdings hätten sich auch private Maklerbüros auf den Verkauf historischer und/oder gefährdeter Denkmäler spezialisiert.

Darüber hinaus appelliert der Stadtheimatpfleger an die Immobilienabteilungen der hiesigen Banken und Sparkassen. Sie sollten solche Gebäude, die für sie wegen des geringen Verkaufspreises unattraktiv sind, künftig mitvermakeln, sozusagen als besonderen Freundschaftsdienst zum Erhalt der Baudenkmäler in Rothenburg.

Dem Stadtbauamt als unterere Denkmalbehörde fällt nach Knolls Überzeugung die wichtige Aufgabe zu, Besitzer auf die Möglichkeiten aufmerksam zu machen, ihr Bewusstsein für den Erhalt architektonischen Kulturgutes zu wecken, aber ihm nicht allein: „Auch der Verein Alt-Rothenburg sollte hier behilflich sein. Er würde mit dieser Aufgabe einen Neustart aus seinem Dornröschenschlaf schaffen.“

Um für einen begrenzten Zeitraum den Verlust eines Baudenkmals aufzuhalten oder zu verhindern, sind oft Notsicherungen erforderlich. Knoll bringt für diesen Fall die Idee eines Notfallfonds für Rothenburg ein, mit dem erforderlichen Grundkapital von den für Kultur besonders aufgeschlossenen Einrichtungen wie Banken und Sparkassen, aber sicher auch von privaten Spendern, die das als ein wichtiges Anliegen sehen.

Sollte einer dieser notgesicherten Bauten dann verkauft werden, müsse zum Ausgleich für die Hilfe ein Teil des erzielten Erlöses an den Fonds gehen. Dieses Prinzip wird im übrigen auch bei Instandsetzungsverfügungen nach dem Denkmalschutzgesetz angewandt. Leider werde ein solches Verfahren viel zu selten in Gang gebracht, weil ihm der Makel einer Quasi-Enteignung anhafte, gibt der Stadtheimatpfleger zu verstehen.

Er würde sich jedenfalls freuen, wenn sein Denkanstoß etwas bewegen könnte: „Der Fantasie zur Rettung der bedrohten und verfallenden Denkmäler sind im Übrigen keine Grenzen gesetzt. Aufklärung und daraus resultierender guter Wille der Besitzer sind die Grundvoraussetzung für den Erhalt der Kulturlandschaft.“ -ww-

ww, 22.11.2010

 
Kurz gemeldet
Café und Tanz
Im Wildbad verbinden sich am Sonntag, 14. April, wieder Café und Tanz. Dieses Mal stehen Tänze zu Musik aus Israel im Mittelpunkt. Im gemeinschaftlichen und religiösen Leben des jüdischen Volkes wird der Tanz seit biblischen Zeiten als Ausdruck der Freude betrachtet. Die Tänze stehen meist im Zusammenhang mit beliebten israelischen Liedern. Sie zeichnen sich durch eine große Vielfalt von Formen und Schritten aus. Im Rokokosaal des Wildbads gibt es am 14. April Gelegenheit, mehr über Musik und Tänze in Israel zu erfahren und gemeinsam mit der Nürnberger Tanzpädagogin Marion Vetter einfache Kreistänze kennenzulernen.

110 Jahre SPD
Der SPD-Ortsverein Rothenburg feiert am Samstag, 20. April, um 19 Uhr im Gasthof „Ochsen“ sein 110-jähriges Bestehen. Als Ortsverein der ältesten demokratischen Partei Deutschlands blickt er stolz auf eine mittlerweile 110-jährige Tradition in Rothenburg zurück. „Das Engagement der Mitglieder, Stadträtinnen und Stadträte, die Oberbürgermeister Friedrich Hörner, Alfred Ledertheil und Herbert Hachtel haben in hohem Maße die Entwicklung unserer schönen Stadt geprägt und den SPD-Ortsverein zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens gemacht“, so der Vorsitzende und Stadtrat Günther Schuster.


© 2003-2011 Fränkischer Anzeiger, Schneider Druck GmbH