ACHTUNG: Sie befinden sich auf den Archiv-Seiten des Fränkischen Anzeigers bis März 2013.
Zu den aktuellen Nachrichten gelangen Sie hier:

www.fraenkischer-anzeiger.de

Zur Startseite FRÄNKISCHER ANZEIGER
Suchen & Finden
Suche starten
Nachrichten 25.07.2016, 22:02 Uhr

Minimarkt
Minimarkt-Anzeigen des Wochenspiegels
Kleinanzeigenmarkt für Rothenburg und Umgebung

Gestrichelt (Archiv)
Veranstaltungen
Ab jetzt auf den neuen Seiten des Rothenburg Tourismus Service
Bild der Woche (Archiv)
ROTABENE Medienhaus
Aus der Rubrik Aus der Stadt
 

Die Obermühle an der Schandtauber (Privatbesitz) soll erhalten werden. Foto: Schäfer

Verein Alt-Rothenburg bleibt in seiner Aufgabenstellung seit 1898 aktuell

Bewahren was noch übrig ist

ROTHENBURG – Die Stadt verändert sich: nach dem vierzigprozentigen Substanzverlust durch die amerikanischen Bomben 1945 folgte ein schleichender weiterer Verlust an Baudenkmalen und Details, der bis heute anhält. Vor diesem Hintergrund hat die Arbeit des seit 1898 bestehenden Vereins nichts von seiner Bedeutung verloren. Dass er seine Arbeit ernst nimmt und immer wieder Schlimmeres verhütet wurde jüngst aus dem Jahresbericht erneut deutlich. Es gilt die Öffentlichkeit noch mehr zu sensibilisieren, was die Absicht des neuen Vorstandes ist.

Der spricht von keinem verlorenen Jahr, aber es sei „ein Jahr der Verluste“ mit negativer Bilanz gewesen. Schriftführer Dr. Richard Schmitt in seinem Bericht: „Das Bild der Stadt, wie es frühere Generationen geschaffen und uns – oft nach konfliktreichen Diskussionen – übergeben haben, wird Jahr für Jahr ein bisschen angekratzt. Die Aufgabe des Vereins Alt-Rothenburg bestand von Anfang an, also seit mehr als 110 Jahren, darin, zu beraten, zu mahnen, zu warnen und, wenn das Kind gelegentlich in den Brunnen gefallen war, zu schimpfen. Ich gehe davon aus, dass allein die Existenz des Vereins Wesentliches zum Schutz der Rothenburger Baudenkmäler und des Stadtbildes beigetragen hat und hoffentlich auch heute noch manches bewirkt.“

Mit „Murren und Grollen“ müsse man trotz der oft anderslautenden Vereins-Meinung die Stadtrats-Entscheidungen hinnehmen. Die Grenzen der Loyalität gegenüber der Stadt seien aber dann erreicht, wenn der Verein nicht informiert und nicht zu Rate gezogen werde. Die Stadt sei kein Freilandmuseum, in dem man liebevoll jeden Dachziegel und jeden Pflasterstein konservieren könne und wo Neues entstehe, müsse manchmal Altes weichen. In Rothenburg gehe es allerdings darum, ob und in welchem Umfang man unnötige Beschädigungen des historischen Erbes verhindern kann.

Wie schon in unserer Zeitung zur Hauptversammlung Ende September berichtet, sorgt sich der Verein besonders um die Erhaltung der Mühlen und beklagt den aktuellen Totalverlust der Oberen Walkmühle. Ihr Fehlen werde in wenigen Jahren fast niemand mehr bemerken, aber „das lieblich-lächelnde Taubertal hat nun eine hässliche Zahnlücke“ meint Dr. Schmitt. Die auffällige Mühlendichte an der Tauber im Bereich der Rothenburger Stadtmarkung sei vielleicht nicht einzigartig, aber „ein herausragendes kulturgeschichtliches Phänomen, das erhalten werden muss“. Der Bauzustand der Rothenburger Mühlen solle aufmerksamer beobachtet und rechtzeitig Maßnahmen gegen weitere Verluste ergriffen werden.

Der Vorstand bittet Vereinsmitglieder und Freunde Alt-Rothenburgs stärker als bisher Gefährdungen historischer Baudenkmäler zu beobachten und sich zu Wort zu melden. Man könne „Flagge zeigen, Leserbriefe schreiben, sich auf der Netzseite des Vereins rühren, politische Entscheidungsträger direkt ansprechen, Anträge schriftlich an den Verein vorformulieren, die der Vorstand an die Stadtverwaltung weiterleite.

Früher habe der „kleine Dienstweg“, die unauffällige, kaum an die Öffentlichkeit dringende, unspektakuläre Alltagsarbeit des Vereins funktioniert. Gelegentliche Differenzen seien nur einzelne Misstöne in einer gemeinsam vorgetragenen Melodie mit dem Titel: „Erhaltet Alt-Rothenburg für die Nachwelt!“ gewesen. Schriftführer Richard Schmitt betont aber: „Verschiedene Vorfälle der letzten Jahre lassen Zweifel aufkommen, ob der Denkmalschutz in unserer Stadt noch immer den gleichen Rang wie früher einnimmt.“

Selbstkritisch unterstreicht er, der Verein müsse nach außen stärker in Erscheinung treten und „deutlicher als bisher öffentlich Alarm schlagen, etwa aktiver mit der Lokalpresse zusammenarbeiten“. Dr. Schmitt wörtlich: „Die emotionale Bindung vieler Rothenburger an ihre Stadt – früher hätte man das Heimatliebe genannt – ist aber noch so groß, dass sie wie im Fall der Linde oder angesichts der inzwischen wieder teilweise korrigierten Verhunzung der Galgengasse ein bisschen auf die Barrikaden gehen“. Die Denkmalpflege in der Stadt müsse wieder stärker in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion rücken, wobei der Verein eine wichtige Rolle spielen sollte.

Das Brauhaus sei nach wie vor gefährdet, Bevölkerungsschwund bedrohe die Altstadt und die Verkehrsprobleme seien teilweise ungelöst. Parkplätze für die Bewohner der Altstadt und der in ihr arbeitenden Menschen müssten bereitgestellt bleiben, damit unnötiger Verkehr das Gebiet innerhalb der Mauern nicht noch stärker belastet. In privaten Tief- und Hochgaragen sehe man kein Allheilmittel, sondern eher eine Gefährdung der Baudenkmäler und/oder des Stadtbildes.

Dr. Schmitt ging auf die Bedeutung des Wiederaufbaus ein, der auch inzwischen schützenswert sei. Der Verein sieht einen hohen stadt- und architekturgeschichtlichen Wert des Wiederaufbauensembles zwischen Galgengasse und Rödergasse und bezweifelt, dass ein Abriss des Eckgebäudes am Milchmarkt durch die Sparkasse wirklich notwendig ist. Kritikpunkt ist auch ein offenes Treppenhaus. Auch die Rückseiten der Gebäude seien vor 60 Jahren so geplant worden, dass sie sich in das Gesamtbild einfügen.

Im Focus des Vereins Alt-Rothenburg stünden nicht nur die Gegenwart und die nächsten zehn oder zwanzig Jahre, man blicke auf Jahrhunderte zurück. Vielleicht wundere man sich später einmal, warum man für die anstehende Sanierung von Baudenkmälern kein Geld zurückgelegt hat, meinte Dr Schmitt und denkt dabei an das Rathaus, dessen renaissancezeitlicher Teil recht bröselig erscheint, aber auch an kleine Kunstschätze wie die barocke Tür an der Stadtbücherei in der Klingengasse.

Über derartige Probleme solle man sich vielleicht stärker den Kopf zerbrechen als im monatelangen Kleinkrieg eine zentimetergenaue Regelungen für die Außenwerbung der Altstadtgeschäfte zu erstellen.
Mit den Änderungen der städtischen Baugestaltungsverordnung beschäftigte sich im vergangenen Jahr eine Arbeitsgruppe des Vereins. Fragen waren: Wird sich die Altstadt in Richtung Freilandmuseum entwickeln, oder wird sie eine lebendige Einkaufsstadt auch für die hier und im Umland lebenden Menschen bleiben?

Weitere Themen waren z. B. die Wärmedämmung bei Altstadthäusern und Solaranlagen. Ferner, dass Ausnahmegenehmigungen in Bausachen nur Einzelfälle und keine Präzedenzfälle sein können. Solaranlagen hält man zur Warmwasserbereitung an nicht einsehbaren Stellen für möglich, nicht aber zur Stromerzeugung. Grundsätzlich sei zu klären, ob man Neubauteile als solche sichtbar machen oder sie an das Vorhandene anpassen wolle. Die Dachlandschaft der Altstadt hält Dr. Schmitt für ein so hohes Gut, dass man sie bei allem Verständnis für den Ausbau alternativer Energienutzungen schützen sollte. Es könne eine reizvolle Aufgabe für die Stadt sein, Hausbesitzern in der Altstadt anzubieten, sich an größeren Gemeinschaftsprojekten zur Gewinnung von Solarenergie zu beteiligen.

Verwundert hat den Alt-Rothenburg-Schriftführer die Diskussion über die an der Autobahn angebrachten Werbeschilder für die „Industrieregion Nürnberg“. Die Erfolge Rothenburgs bei der Ansiedlung neuer Industriebetriebe sind seit langer Zeit mehr als bescheiden. Was läge also näher, als den Werbeeffekt, der in der Verbindung mit dem aufstrebenden Städtedreieck Nürnberg-Fürth-Erlangen liegt, zu nutzen? fragte der Redner. Die Weiterentwicklung der Stadt werde nicht nur durch den Fremdenverkehr und kulturelle „Events“ vorangetrieben, sondern hoffentlich durch die Gewinnung neuer Gewerbebetriebe.

Als erfreulich sieht der Verein die Qualifizierung der Fremdenführer an. So etwas gebe es bisher kaum in anderen Städten. In der Ausbildung der Fremdenführer, aber auch in den offiziellen Fremdenverkehrsprospekten der Stadt könnten nach Schmitts Ansicht in Zukunft noch stärker verankert werden: Die neuere Geschichte der Stadt inklusive der Nazizeit und des Wiederaufbaus, die Stauferzeit sowie Probleme der Denkmalpflege.

Schmitt betonte die Bedeutung des Reichsstadtmuseums und den Ausbau des Prioratsbaus im November 2010. Ehrenamtliche Helfer für kleinere Tätigkeiten im Museum seien willkommen. Die Gründung eines Freundeskreises, den Dr. Möhring plane unterstütze man. Der Verein leistet auch viel zur Geschichtsforschung zum einen in der Heimatbeilage des Fränkischen Anzeigers „Linde“ und mit seiner Vortragsreihe. Erfreulich sei die Sanierung des südlichen Rathausportals aus der Renaissancezeit.
Was man nicht geleistet habe, sei eine schriftliche Zusammenstellung bedrohter Baudenkmäler in der Altstadt, die an die Stadt weitergeleitet werden sollten. Das sei eine Aufgabe für das nächs­te Jahr.

Ausführlich würdigte der Schriftführer die Arbeit des früheren Vorsitzenden Bernhard Mall, der verärgert über die Fällung der alten Linde zurückgetreten war. Mall wurde auf der Hauptversammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Er habe die mühselige und zeitintensive Alltagsarbeit nicht gescheut. Früher sei das Stadtarchiv so etwas wie die Verwaltungszentrale des Vereins gewesen. Auf die in Aussicht gestellte Sanierung der Räume des Vereinsarchivs warte man immer noch. Dass mögliche Nachfolger Bernhard Malls ausschieden, weil sie als Vereinsvorsitzender „berufliche oder geschäftliche Nachteile befürchteten“ verwunderte den Schriftführer.

Abschließend dankte Dr. Richard Schmitt allen Mitarbeitern, besonders Architekt Konopatzki, der den weiteren Verfall des Hauses Judengasse Nr. 12 gebremst habe. Ebenso dem in Ruhestand befindlichen Stadtbaumeister Hans Mühleck für die Zusammenarbeit. Der Schriftführer schloss mit der Hoffnung auf ein besseres Vereinsjahr als das vergangene.

diba/eb, 06.10.2011

 
Kurz gemeldet
Café und Tanz
Im Wildbad verbinden sich am Sonntag, 14. April, wieder Café und Tanz. Dieses Mal stehen Tänze zu Musik aus Israel im Mittelpunkt. Im gemeinschaftlichen und religiösen Leben des jüdischen Volkes wird der Tanz seit biblischen Zeiten als Ausdruck der Freude betrachtet. Die Tänze stehen meist im Zusammenhang mit beliebten israelischen Liedern. Sie zeichnen sich durch eine große Vielfalt von Formen und Schritten aus. Im Rokokosaal des Wildbads gibt es am 14. April Gelegenheit, mehr über Musik und Tänze in Israel zu erfahren und gemeinsam mit der Nürnberger Tanzpädagogin Marion Vetter einfache Kreistänze kennenzulernen.

110 Jahre SPD
Der SPD-Ortsverein Rothenburg feiert am Samstag, 20. April, um 19 Uhr im Gasthof „Ochsen“ sein 110-jähriges Bestehen. Als Ortsverein der ältesten demokratischen Partei Deutschlands blickt er stolz auf eine mittlerweile 110-jährige Tradition in Rothenburg zurück. „Das Engagement der Mitglieder, Stadträtinnen und Stadträte, die Oberbürgermeister Friedrich Hörner, Alfred Ledertheil und Herbert Hachtel haben in hohem Maße die Entwicklung unserer schönen Stadt geprägt und den SPD-Ortsverein zu einem festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens gemacht“, so der Vorsitzende und Stadtrat Günther Schuster.


© 2003-2011 Fränkischer Anzeiger, Schneider Druck GmbH